Zeitreise durch Zentralasien
Weltgeschichte zwischen Samarkand und Ashgabat
Zentralasien war in der gesamten dokumentierten Menschheitsgeschichte eine Drehscheibe für Geopolitik und kulturellen Austausch. Besonders sichtbar wird dies in seiner Rolle im Transitverkehr zwischen Fernost und Nahost über die Seidenstrasse – bis zur Entdeckung der Seewege nach Indien und Amerika. Im 19. Jahrhundert wurde die Region zur Konfliktzone zwischen Grossbritannien und Russland im «Great Game». Seit der Unabhängigkeit der früheren Sowjetrepubliken ist Zentralasien erneut Spielbrett und Akteur geopolitischer Rivalitäten. Diese Reise beleuchtet Gründe, Hintergründe und ordnet die Entwicklungen geschichtlich ein.
REISEPROGRAMM
1./2. Tag (Fr/Sa): An die Seidenstrasse
Nach einem Flug mit Ankunft in der Nacht bereitet uns Samarkand einen prachtvollen Empfang. Um uns auf diesen vorzubereiten, ruhen wir erst mal aus und unternehmen erste Erkundungen unserer neuen Umgebung. 3 Übernachtungen in Samarkand.
3./4. Tag (So/Mo): Samarkand – lebende Legende
Samarkand hat in seiner jahrtausendelangen Geschichte viele Wiedergeburten erlebt. Von Dschingis Khans Nachfolgern dem Erdboden gleichgemacht, feierte es unter Timur und dessen Nachkommen eine monumentale Auferstehung. Wir würdigen die vormongolische Geschichte dieser Stadt bei einem Besuch des Afrosiyob-Museums und streifen dann durch das timuridische Samarkand mit der Gräberstrasse Shah-i Zinda, der Grablege Timurs, der Sternwarte seines Enkels Ulug Beg, der Reichsmoschee Bibi Khanom… Und immer wieder geniessen wir die Architektur und das bunte Leben auf dem Registan-Platz.
5. Tag (Di): Timurs grüne Stadt
Wir folgen uralten Karawanenwegen nach Shahre Sabs, der «Grünen Stadt», Geburtsort Timurs, den er nach seinem Aufstieg zum Herrscher standesgemäss ausgestalten liess. Wir gewinnen einen Eindruck von seinem Selbstverständnis als Herrscher bei der Besichtigung der Ruinen seines Palastes und des eindrücklichen Grabkomplexes. Über liebliche Berglandschaften erreichen wir am Abend Termez. 2 Übernachtungen in Termez.
6. Tag (Mi): Spuren des «Erleuchteten»
Termez, der Brückenkopf am Amu Darya, dem antiken Oxus, wartet nicht nur mit Zeugnissen des Islam auf. In seiner Umgebung haben sich auch Monumente des Buddhismus aus der Zeit vor der vollständigen Islamisierung Mittelasiens erhalten, die auf dieselbe Tradition dieser Weltreligion hinweisen wie die Buddha-Statuen von Bamyan im benachbarten Afghanistan. An diesen vielfältigen Denkmälern wird auch der kulturelle Reichtum Mittelasiens überhaupt deutlich, das keineswegs bloss Durchgangsregion war, sondern wo religiöse Bewegungen wie der Buddhismus oder der Islam originelle und eigenständige Entwicklungen erfuhren.
7. Tag (Do): Buchara – Karawanserai der Kulturen
Nach einer Tagesfahrt voller landschaftlicher Szenenwechsel von Flussniederung über Gebirge bis Steppe erreichen wir am Abend die sagenhafte, aber doch ganz real existierende Oasenstadt Buchara, wo zu allen Zeiten nicht über Waren, sondern auch Weltgeschichte und Weltkultur verhandelt wurde. 3 Übernachtungen in Buchara.
8. Tag (Fr): Bummel durch die Weltgeschichte
Die Oasenstadt Buchara spielte in allen Epochen und insbesondere für die Ausbreitung des Islams in Mittelasien eine zentrale Rolle. Entsprechend bedeutend sind die Zeugnisse islamischer Kultur, die sich sowohl an einzelnen Bauten als auch in der gesamten Anlage der Innenstadt zeigen. Wir bummeln über den Markt der Stadt, an dem sich die repräsentativsten Bauwerke aneinanderreihen: religiöse Monumente mit türkisenen Kuppeln, Minarette, Eingangsportale von theologischen Seminarien und vieles mehr.
9. Tag (Sa): Machthaber und Mystiker
Im fruchtbaren Umland von Buchara besuchen wir den Sommerpalast des letzten Herrschers von Buchara, ein Anwesen, dessen bauliche Gestaltung den Einfluss europäischer Architektur bereits spüren lässt. Dann zu etwas Spirituellerem: Buchara verdankt seine Bedeutung für den Islam und die Islamisierung Mittelasiens nicht zuletzt dem Wirken eines der einflussreichsten Mystiker des Islam, Bahâ’ ad-Dîn Naqshband aus dem 14. Jahrhundert, dessen Grab und Ordenszentrum wir anschauen. Am Nachmittag bleibt Zeit für eigene Entdeckungen und Einkäufe im verwinkelten Basar von Buchara.
10. Tag. (So): Grenzerfahrungen
Wir wechseln das Land – von Usbekistan zu Turkmenistan – und die Landschaft – von Flussoase zu Steppe. Die Landschaften hat es schon lange gegeben, die beiden Länder erst seit der Sowjetzeit: Eine Gelegenheit neben vielen anderen auf dieser Reise, sich über Staatenbildung und das Verständnis von «Volk» in sowjetischer und postsowjetischer Zeit Gedanken zu machen. Am Abend wird es dann wieder vorsowjetisch, wenn wir die Stadt Mary, das historische Merw, erreichen. 2 Übernachtungen in Mary.
11. Tag (Mo): Merw, die erloschene Leuchte
Zusammen mit Buchara und Samarkand war Merw ein Brennpunkt der Weltpolitik: Von Alexander dem Grossen im 4. Jh. v. Chr. erobert, Schauplatz des Endes des letzten Perserkönigs 651 n.Chr., Schaltstelle für die Ausbreitung des Islam in Zentralasien, multikultureller Handelsknotenpunkt, wurde die Stadt im 13. Jh. von den Mongolen ausgelöscht und gewann seither nie wieder ihre frühere Bedeutung. Wir holen diese wichtige Metropole bei einem Rundgang über das Ausgrabungsgelände aus ihrer Versenkung.
12. Tag (Di): Karawanenpfade durch Turkmenistan
Unsere Fahrt, die uns die Weite der zentralasiatischen Steppen erleben lässt, führt uns in das Gebiet zwischen dem iranisch-turkmenischen Grenzgebirge Kopet Dag und der Wüste Karakum. Dort, am Karakum-Kanal, der in der Sowjetzeit vom Amu Darya abgezweigt wurde, liegt Ashgabat, die Hauptstadt Turkmenistans. Unterwegs würdigen wir die Bedeutung des Islam für Zentralasien bei einer Besichtigung der Moschee von Änew. Ausserdem besuchen wir ein Gestüt der berühmten Achal-Tekkiner Pferde, die auch Eingang ins Staatswappen Turkmenistans gefunden haben. 3 Übernachtungen in Ashgabat.
13. Tag (Mi): Alles nach Plan: Ashgabat
Ashgabat ist nach einem verheerenden Erdbeben 1948 in sowjetischem und postsowjetischem Monumentalismus wiederaufgebaut worden. Was die Anlage der Stadt und ihre Bauten über das sowjetische und postsowjetische Turkmenistan in politischer und ideologischer Hinsicht verraten, erfahren wir bei einer Stadtrundfahrt, etwa zum Erdbeben-Denkmal, der sowjetischen Kriegsgedenkstätte, dem Ruhnama-Denkmal und dem Turkmenbashi-Mausoleum.
14. Tag (Do): Die Parther
Die Parther sind uns in Westeuropa vor allem als Gegenspieler der Römer vom 2. Jh. v.Chr. bis zum 3. Jh. n.Chr. bekannt. Heute nun erleben wir sie gewissermassen in ihrer Heimat, bei einem Besuch einer ihrer wichtigsten Residenzen: Nisa. Am Nachmittag versetzt uns der Besuch des Tolkuchka-Basars in die Blütezeit der Seidenstrasse zurück.
15. Tag (Fr): Die türkische Verbindung
Am Morgen Rückflug über Istanbul in die Schweiz, wo wir am Nachmittag landen.
Konzept und Leitung
Dr. Urs Gösken
Islamwissenschaft
Die islamische Welt ist ihm sowohl durch seine Tätigkeit in Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Islamwissenschaft als auch von langjährigen Studien- und Arbeitsaufenthalten, etwa für das IKRK, in der Region vertraut. Diese Expertise ermöglicht Ihnen Einblicke in das Innenleben der Region.
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27.03.2026 bis 10.04.2026
Dauer
15 Tage
Preis
ab/bis Zürich
CHF 5870.–
Einzelzimmerzuschlag
CHF 890.–
Mindest-Teilnehmerzahl
12, maximal 22
Leistungen
- Flüge Zürich – Samarkand / Ashgabat – Zürich
- Bequemer Reisebus
- Eintritte und Führungen
- Hotels der guten Mittelklasse
- Vollpension
- Visum und Einreisegebühr für Turkmenistan
- Klimaneutral durch CO2-Kompensation
In Zusammenarbeit mit