Der Ruf des Heiligen Jakob

Per Bus zu Kunst und Kultur entlang dem Jakobsweg

Santiago! Hunderttausende sind dem Ruf des Heiligen Jakobus gefolgt und an sein Grab in Santiago de Compostela gepilgert. Unsere Reise wird aber keine Wallfahrt im klassischen Sinne: Wir fahren mit dem Bus und übernachten in komfortablen Hotels. Und doch begleitet uns der Geist des Jakobswegs: Im Zentrum steht die Kunst, die ohne den Hintergrund des Pilgerns kaum verständlich ist. Faszinierend ist die Vielfalt der Reisenden: Gläubige, Suchende, Aussteiger – alle unterwegs zum Grab eines Apostels, der, bekannt unter dem «Ehrentitel» Matamoros, d.h. Maurentöter, nicht gerade für Toleranz stand. Wir machen den Weg zum Ziel – einen Weg zu grandiosen Kulturschätzen in Frankreich und Spanien sowie prähistorischer Kunst oder moderner wie im Guggenheim-Museum.

REISEPROGRAMM

1. Tag (Sa): Wir sind dann mal weg…

Wir fahren nach Le Puy-en-Velay, einem der vier grossen Ausgangspunkte der Jakobswege durch Frankreich, wie er von Aimery Picaud im Codex Calixtinus, dem berühmten Pilgerbuch des 12. Jhs., beschrieben worden ist. Hier beginnt die Via Podiensis, der wir folgen werden. Le Puy ist ein uraltes Marienheiligtum mit romanischer Kathedrale, das auf einem noch älteren keltischen Druidenheiligtum entstand, und der Kapelle Saint Michel auf einem Vulkankegel. Mit der Marienstatue bildet sie ein einzigartiges Ensemble. Unser erstes Jakobsziel! 1 Übernachtung in Le Puy.

2. Tag (So): Mystik in Stein

Wir ziehen weiter gen Südwesten und fahren nach Rodez, wo wir prähistorische Steinstelen besuchen, die vor vier Jahren in Zürich ausgestellt waren. Dann taucht Conques vor uns auf – ein Märchen aus Stein! Die Kathedrale, das leuchtende Tympanon, die goldene Heiligenfigur der Sainte Foy: Glanz vergangener Zeiten. Mittelalterlicher Zauber erfüllt das Tal. Kunst und Stille gehen hier Hand in Hand. Die Nacht verbringen wir in Rodez, nahe dem magischen Conques.

3. Tag (Mo): Der wahre Jakob – und der falsche…

In Rodez grüsst uns die gewaltige Kirche in stiller Erhabenheit. In Toulouse erwarten uns die Türme von Saint Sernin – Frankreichs grösste romanische Kirche, Grab des «falschen Jakob», doch voll Anmut und Geschichte. Ihr Grundriss spiegelt die Grablege des «wahren Jakob». Ein spiritueller Höhepunkt! Dann führt uns der Weg bis nach Pau, am Nordfuss der Pyrenäen. Voller Schätze liegt das Land vor uns – nehmen wir uns Zeit, einige zu entdecken! 1 Übernachtung in Pau.

4. Tag (Di): Mittelalterliche Schlachtengesänge

Die Pyrenäen – für jeden Pilger, der zu Fuss unterwegs ist, eine der grössten und beschwerlichsten Herausforderungen auf dem Jakobsweg! Wir schummeln und lassen uns gemütlich über das Bergmassiv fahren. In Roncesvalles gedenken wir Rolands letzter Schlacht, besungen im Rolandslied. Dann fahren wir weiter nach Spanien. 1 Übernachtung in Pamplona

5. Tag (Mi): Islam auf dem Jakobsweg

In Puente la Reina sammeln sich die Wege der Pilger. Hier beginnt der berühmte Camino francés. Ausserhalb der Stadt mit ihrer berühmten Brücke warten geheimnisvolle Orte: Santa María de Eunate und Torres del Río – achteckige Juwelen, durchweht vom Geist der Tempelritter und einem Hauch Orient. Heute widmen wir uns dem mozarabischen Stil und der Rolle des Templerordens auf dem Jakobsweg. Estella, von Aimery Picaud im 12. Jh. gerühmt, atmet Geschichte. Am Abend erreichen wir Logroño.
1 Nacht in Logroño.

6. Tag (Do): Von Hühnern und Wundern

Auf dem Weg zum grandiosen Burgos finden sich zahlreiche Trouvaillen, die uns Geschichten zum Jakobsweg erzählen können. Einige dieser Geschichten werden wir zu hören und sehen bekommen. Lassen wir uns überraschen! In Santo Domingo de la Calzada erwarten uns lebendige Hühner und das Wunder, das sich auf sie bezieht. Am Abend erreichen wir Burgos, wo wir 2 Mal übernachten.

7. Tag (Fr): Europäische Gemeinschaft

Burgos – eine Stadt von stiller Grösse. Die Kathedrale, von spanischen, flämischen und deutschen Händen erbaut, bezeugt die Vernetztheit Europas. Herrenhäuser spiegeln einstigen Glanz. Wer mag, bleibt in Burgos. Die anderen folgen uns nach Quintanilla de las Viñas – einem Kleinod westgotischer Sakralkunst. Weiter südlich liegt Silos mit seinem Kreuzgang und seinen romanischen Reliefs.

8. Tag (Sa): Architektonische Dreifaltigkeit

Zwischen Burgos und León erwarten uns drei Kirchen, in denen sich drei Epochen spiegeln. Romanisch strahlt San Martín in Frómista. Ein Abstecher führt zur westgotischen Kirche von San Juan de Baños in ihrer berührenden Schlichtheit. In San Miguel de Escalada zeigt sich mozarabische Kunst an Hufeisenbögen. In León klingt der Tag aus – wer mag, begleitet mich durch die nächtliche Altstadt.
1 Übernachtung in León.

9. Tag (So): Bauten von Romanik bis Gaudí

In León ruht ein Schatz aus Glas und Stein: die Kathedrale mit ihren Glasfenstern und das Pantheon von San Isidoro, ein romanisches Meisterwerk, dessen Gewölbefresken den Übernamen «Sixtinische Kapelle der Romanik» erhalten haben. Hier finden wir Gotik und Romanik vereint. Doch Jakobus ruft: In Astorga werfen wir einen Blick auf Antoni Gaudís Bischofspalast, dann reisen wir weiter bis Ponferrada.
1 Übernachtung.

10. Tag (Mo): Wo Goldgier Berge versetzte

In Ponferrada grüsst das Kirchlein Santo Tomás de las Ollas in mozarabischer Schlichtheit. Dann sehen wir bald schon die orangen Felsspitzen von Las Medulas emporragen, Zeugen des Goldabbaus zur Römerzeit. Auf zum Cebreiro-Pass, dessen sturmgepeitschte Flanken die Pilger das Fürchten lehrten! Immer wieder öffnen sich die Weiten Galiciens vor uns, bis endlich Santiago de Compostela in der Abenddämmerung leuchtet – die Stadt des Jakobus Zebedäus. 2 Übernachtungen in der Altstadt von  Santiago de Compostela.

11. Tag (Di): Ein Grab wie ein Magnet

Wie alle Pilger – ob zu Fuss oder auf Rädern – besuchen wir das Grab des Jakobus und die grossartige romanische Kathedrale, die sich hinter der Barockfassade versteckt. Die riesige Kathedrale, das Jakobsgrab und das romanische Westportal, eines der prächtigsten romanischen Portale Europas – wir haben es geschafft, wenn auch viel
bequemer als die wandernden Pilger! Wir rasten in der Stadt und lassen uns treiben vom Geist des Jakobus.

12. Tag (Mi): Am Ende der Welt

Falls das Wetter mitmacht, fahren wir ans Kap Finisterre, an den äussersten Rand der Alten Welt. Ansonsten besuchen wir Lugo mit seiner römischen Stadtmauer. Danach geht es an die spanische Nordküste. Der Weg nach Oviedo ist weit, aber immer wieder eröffnen sich grandiose Ausblicke auf diese wilde Küstengegend. 1 Übernachtung in Oviedo.

13. Tag (Do): Heilige Kammern und Höhlen

Oviedo, das Herz des Königreichs Asturien, birgt unermessliche Schätze des 9. Jhs. Obwohl nicht auf dem Camino francés, wähnen wir uns doch auf dem Jakobsweg. Denn in der legendären Cámara Santa werden das Siegeskreuz und das Engelskreuz gehütet, Symbole des Jakobswegs und der Reconquista. Auch architekturgeschichtlich wegweisende Bauten des 9. Jhs. finden sich um Oviedo, etwa die Kirchen Santa María de Naranco, San Miguel de Lillo und San Julián de los Prados. Im Museum von Altamira besuchen wir die Nachbildung der mit den ca. 15´000 Jahre alten Malereien ausgeschmückten Höhle.
1 Übernachtung in Bilbao.

14. Tag (Fr): Zeit(pilger)reise

Zeitsprung: Gestern Altsteinzeit, heute Moderne: das Guggenheim-Museum. Wie ein ausserirdisches Raumschiff steht es am Rande der Altstadt. Wir besuchen es innen und aussen. Bilbao hat sich von einer Industriestadt zu einem Mekka der modernen Kunst gemausert. Am frühen Nachmittag fahren wir nach Frankreich, wo wir in Toulouse 1 Mal übernachten.

15. Tag (Sa): Über den Berg

Spanien liegt hinter uns, doch der Weg führt weiter. In Moissac bewundern wir Kreuzgang, Portal und das Himmlische Jerusalem im Glockenturm. In Cahors überqueren wir den Pont Valentré – und wer mag, lässt sich vom Wein des Ortes verführen. Wenn möglich, besuchen wir die Steinzeithöhlen von Pech Merle. Am Abend erreichen wir Clermont-Ferrand. 1 Nacht in Clermont-Ferrand.

16. Tag (So): Heimweg

Zum Abschluss begegnen wir kunsthistorischen Perlen! Der schwarze Dom von Clermont-Ferrand ist ein Meisterwerk der französischen Gotik. Anschliessend treffen wir in Notre-Dame-du-Port auf ein romanisches Juwel. Bis ganz am Schluss bleibt der Heilige Jakobus unser treuer Begleiter, auch auf unserer Heimreise in die Schweiz.

Konzept und Leitung

Matthias Egert

Kunstgeschichte, Literatur

Kunst und Geschichte lassen sein Herz höherschlagen. An Erwachsenenkursen und Kunstreisen kommt sein drittes Studienfach, die Kunstgeschichte, zum Tragen. Reisen mit ihm sind sinnliche Entdeckungen, bei denen auch Land und Leute, Essen und Lebensfreude zum Zug kommen.

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Reisedatum

19.09.2026 bis 04.10.2026

Dauer

16 Tage

Preis

ab/bis Zürich

CHF 5780.–

Einzelzimmerzuschlag

CHF 990.–

Mindest-Teilnehmerzahl

15, maximal 25

Leistungen

  • Bequemer Reisebus ab/bis Zürich
  • Alle Eintritte und Führungen
  • Hotels der guten Mittelklasse
  • Täglich Frühstück, 14 Hauptmahlzeiten
  • Klimaneutral durch CO2-Kompensation

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